Ausstellung: ZWISCHEN RAUM UND IDEE SKIZZEN DES GEISTES


 Im Dornrosa im Frauenzentrum Weiberwirtschaft Halle Saale Ausstellungseröffnung im Frauenzentrum Weiberwirtschaft Juni 2025 

 

 

  • Laudatio: Jutta Jahn Kunsthistorikerin Halle
     
    Titel; Zwischen Raum und Idee: Skizzen des Geistes

    Rebecca Hilser sagt zu ihren Arbeiten:
     
    Ich stelle mir vor, dass meine Bilder
    eine eigene Sprache sprechen. Der Ort, an dem sie sich zeigen, die
    unmittelbare Umgebung der Arbeit, spielt mit der Vorstellungskraft des
    Betrachters zusammen und gibt ihm Einblicke in meine Gedankenwelt.“
     
    Was zuerst aufmerksam macht, wenn man sich ihren Arbeiten zuwendet, ist
    ihr bevorzugte Verwendung eines textilen Trägermaterials.
    Nun gibt es ja die klassische Nutzung bei Gemälden in der Form von Öl auf
    Leinwand oder Acryl auf Leinwand, allerdings ist hier der Stoff fest auf
    einen Spannrahmen fixiert und die Leinwand wird grundiert, um eine glatte
    Oberfläche zu erhalten.
    Rebecca Hilser dagegen nutzt die Struktur des stofflichen Trägers als
    gestaltendes Element und bindet auch seine weichere Gefasstheit mit ein.
    Die Farbaufträge gehen dabei eher wie bei einem Aquarellpapier innig in die
    Fläche ein.
    Beispiele dafür sind die Arbeiten „Tierische Belagerung“, „Techno Dance“,
    Deeptalk“ und „Durch den Nachthimmel träumen“.
    Die großen Arbeiten „Piscine Dragonique“ und „Schau hinein“ bekennen sich
    ganz mit ihrer Malerei eindeutig zum Stoff und hier fügt Rebecca
    handarbeitliche Techniken wie Applikation und Stickerei als gestaltende
    Mittel hinzu.
     
    Kleiner kunsthistorischer Nebenweg. Textile Arbeiten wurden im Mittelalter
    von hohen Frauen - Adligen oder Nonnen - gefertigt und galten daher viel
    mehr als Kunst als Architektur und Plastik, die nach dem damaligen
    Zeitverständnis nur Handwerkerarbeit waren. Stickerei und Applikation
    waren die gestaltenden Techniken dieser textilen Arbeiten. Und die Malerei
    von portablen Bildern im Gegensatz zu Wandgemälden benutzte erst Holz
    als Trägermaterial und später den schon erwähnten mit Leinen bespannten
    Rahmen, wo der Stoff durch Spannung und Grundierung eine ähnliche
    Festigkeit und Glätte bekam wie die Holztafel.
  • Für mich sind diese Arbeiten von Rebecca eine Art von historischer
    Reminiszenz oder Rezitierung dieser frühen Techniken, die sie auf ihre
    eigene Art neu interpretiert.
    Das Weiche, Fließende der Stoffe und die textilen Strukturen haben eine
    eigene optisch-haptische Qualität, so wie sie der Malerei Raum geben und
    die Applikationen und Stickereien antworten darauf.
    Aber wir zeigen hier auch klassische Zeichnungen von Rebecca, das sind die
    kleinen Arbeiten im Rahmen.
    Rebecca arbeitet mit kräftigen, zumeist dunklen Farben, die in der Regel
    auf einen Grundakkord von drei Farben gesetzt sind, in den sie Weiß als
    bildnerisches Element einsetzt. Die größeren Farbflächen sind zum Teil mit
    kleineren Strukturen belebt.
    Auf den ersten Blick wirken ihrer Arbeiten eher abstrakt. Bei genauerer
    Betrachtung öffnen sich die Formen und führen zu gegenständlichen
    Gestaltungen, die sich langsam in eine Geschichte, die erzählt wird,
    verwandeln.
    In der Zeichnung „Cool Down“ kann man das am deutlichsten
    nachvollziehen – hier erkennt man schnell im Linien- und Flächengewirr drei
    etwas exaltierte Gestalten, die von von einer spitzzackigen Aura umgeben
    sind.
    Das „Piscine Dragonique“ öffnet sich zu einer Landschaft mit Fluss oder See,
    an dessen Ufer Rohrkolben wachsen und ein Drachen ähnliches Wesen
    startet zum Höhenflug.
    Im „Deeptalk“ verunklärte ein weißer Fadenvorhang die intensive
    Auseinandersetzung der zwei Personen und bei „Techno Dance“ entdeckt
    man erst bei genauerer Betrachtung die energiegeladene Gestimmtheit von
    Personen und Körperteilen im Techno Rhythmus.
    Rebeccas Arbeiten brauchen Zeit und ein Einfühlen, also nehmen Sie sich
    die Zeit und spüren Sie den Intentionen der Künstlerin nach, das ist eine
    vergnügliche Arbeit.
    Wie immer sind dies hier nur meine Interpretationsangebote, vielleicht
    entdecken Sie noch Facetten, die ich nicht gesehen habe.
    Rebecca Hilser hat von 2014 – 2020 Textile Kunst und Malerei und der Burg
    Giebichenstein studiert und von 2021 – 2022 dort noch ein Aufbaustudium
    im Bereich Grafik angeschlossen.
    Wir wünschen Rebecca eine erfolgreiche Ausstellung.

 

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